Universitätsklinikum Jena
Biobank-Experten treffen sich am Universitätsklinikum Jena

Mehr, schneller, sicherer: Herausforderung Biomaterialbanken
Jena, 14.06.2010 (newsropa.de) - Das Universitätsklinikum Jena (UKJ) ist am 14. und 15. Juni Gastgeber des Arbeitsgruppentreffens der deutschen Biobankspezialisten. Die in der Technologie- und Methodenplattform für die vernetzte medizinische Forschung (TMF) organisierten Experten für die Lagerung und Handhabung von Biomaterialproben werden dabei auch die Jenaer Sepsis-Probenbank kennenlernen.
„Diese Biobank stellt die erste mit einer Kapazität von 500.000 Proben realisierte vollautomatisierte -80°C Biobank mittlerer Größe dar, mit der Proben mit einem Volumen von 0,2-0,5 ml automatisiert und unter standardisierten Bedingungen aufbewahrt und gehandhabt werden können“, beschreibt Dr. Michael Kiehntopf. Der Mediziner und Biochemiker ist im Mitglied im Vorstand der TMF und leitet die Sepsis-Probenbank am Jenaer Uniklinikum.
Die neue Probenbank wird mehrere Tausend Serum-, Plasma und Blutproben von Patienten mit Sepsis aufnehmen, die in Jena zurzeit noch in konventionellen Tiefkühlschränken aufbewahrt werden. Darüber hinaus werden hier auch alle Proben aus den aktuell laufenden Studien und geplanten Projekten auf dem Gebiet der Sepsisforschung gesammelt und eingelagert. Die Me-diziner müssen ein Vielfaches an Patientenproben erfassen und auswerten, um zum Beispiel durch das Screening von Risikopatienten und den Abgleich mit dem Verlauf der systemischen Infektion die Entwicklung einer Sepsis frühzeitig zu erfassen bzw. Warnhinweise auf Organver-sagen oder andere Komplikationen identifizieren zu können.
Vielfach schneller als Laborassistenten
Die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit etwa einer Million Euro ge-förderte Biobank besteht aus einem Lagersystem, in dem die Proben-Trays bei exakt -80° C aufbewahrt werden, und einer angeschlossenen Datenbank mit den zugehörigen Informationen. Zum Auslagern bestimmter Proben werden diese vollautomatisch anhand eines zweidimensio-nalen Barcodes ausgewählt und in eine Schleuse gebracht. Dann können die Röhrchen in ge-frorenen Zustand entnommen werden, bis zu 200.000 Proben in 48 Stunden. Das ist um ein Vielfaches schneller als geübte Laborassistenten das könnten. Für die Konstrukteure ist das reibungslose Funktionieren der mechanischen Antriebe und Führungen bei -80°C eine echte Herausforderung.
Neben der Geschwindigkeit und der Genauigkeit sichert das in Jena realisierte Konzept, dass die in der Bank verbleibenden Proben keinen größeren Temperaturänderung ausgesetzt sind, wie das bei der Aufbewahrung in konventionellen Tiefkühlschränken häufig der Fall ist. „Schon kleine Temperaturschwankungen können Veränderungen in Probenbestandteilen bewirken“, so Dr. Kiehntopf, „durch die standardisierte Behandlung erhöhen wir die Vergleichbarkeit und Ver-lässlichkeit der Probenauswertung.“
Das Deutsche Biobanken-Register
Die Qualitätssteigerung von Biobanken und damit die bessere Vergleichbarkeit von Ergebnissen, die aus den dort gelagerten Biomaterialien erhoben werden, ist auch ein Ziel des Deutschen Biobankenregisters. Die Vernetzung der Vielzahl bestehender kleinerer Biomaterialsammlungen soll den Informations-, Erfahrungs- und Probenaustausch zwischen den Forschern in Deutschland fördern. Dr. Kiehntopf leitet das vom BMBF gefördert Projekt Biobanken-Register in der TMF-Arbeitsgruppe: „Das Register wird dazu beitragen, die deutschen Biobanken national wie international besser sichtbar zu machen und wird die Forscher dabei unterstüt-zen, gemeinsam Qualitätsstandards für Biobanken zu entwickeln.“ Zurzeit umfasst eine Vorstufe des Registers 26 Biomaterialbanken, vom Kompetenznetz Demenzen in Bonn bis zur Ulmer Kinderdiabetes-Biobank.
Ethische und juristische Fragestellungen
Einen dritten Schwerpunkt des Arbeitstreffens werden die rechtlichen und ethischen Rahmen-bedingungen darstellen, die für die Aufbewahrung und Auswertung von Biomaterialproben für Forschungszwecke gelten. Der Umgang mit diesen Proben berührt persönlichkeitsrechtliche, datenschutzrechtliche und ethische Fragen. „Entsprechende Rechtsgutachten und Handlungs-anleitungen stellen sicher, dass die Rechte der Patienten gewahrt bleiben, und die klinischen Forscher die Sammlungen zur Entwicklung neuer Diagnose- und Therapieansätze nutzen kön-nen“, so Michael Kiehntopf.
Kontakt:
Dr. Dr. Michael Kiehntopf
Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin
Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9395001
E-Mail: Michael.Kiehntopf@med.uni-jena.de



